Phase des Sachbuchs

Es gibt Phasen, da mag das Lesehirn aus diversen Gründen nicht so, wie man sich selbst eigentlich gerne mußenhaft hingeben würde. Dann sind die für das Fließen von Worten innerhalb eines Romans verantwortlichen Synapsen durch andere Einflüsse verstopft. Also greife ich zu Sachbüchern und in der jetzigen Phase zu einem der Bände Heinrich August Winklers zur Geschichte des Westens: Vom kalten Krieg zum Mauerfall. Und schon beginnen sich andere Synapsen zu regen und naheliegende Hirngebiete zu entfalten: die der lustvollen Erfassung von Chroniken, und eben eine solche wird durch das umfassende Schreiben von Winkler ganz hervorragend angestoßen. Es ist nun nicht, wie manch einer rezensiert, brilliant und hochspannend geschrieben, aber man folgt dem Chronikstrom gerne und findet viele Passagen, die das eigentlich schon gebildete Wissen weiter anreichern und weiteres Verständnis für globale, geschichtliche Zusammenhänge fördern. Aus dem oben verlinkten Artikel der Zeit: Dieser Band ist nicht diskursiv angelegt, der Autor wägt nicht ab, probiert keine Theorien aus, sucht nicht nach Widersprüchen und offenen Fragen – er konstatiert. Das macht das Buch in manchen Passagen etwas lexikalisch. Zugleich aber ist es erfrischend altmodisch, denn es verfällt nicht in die in der Geschichtswissenschaft ebenso beliebte wie kurzatmige Begeisterung für bestimmte „Turns“ oder Theorien. Es berichtet in bestechender Klarheit über die Geschehnisse und verdichtet sie zu Geschichte – ein faszinierendes Panorama der globalen Politikgeschichte, wie man es von einem einzelnen Autor sonst wohl nirgends finden kann.
Irgendwann werde ich mir auch die anderen Bände zulegen.

Und dann regt sich mit dem Austreiben der Frühlingstriebe doch auch wieder die Romansehnsucht und ich taste mich langsam wieder heran mit dem dritten Buch von Stephan Thome: Gegenspiel


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