Ein Dazwischenlesen: Widerfahrnis

Da kam mir doch während des Lesens von Hellers Buch vom Süden eine liebe Tochter mit einem geschenkten Buch in die Quere, einem Buch, in das ich kurz hineinblätterte und das ich dann mehr oder weniger in einem durch gelesen habe, weil es mich ohne mein Dazutun mit sich genommen hat: Widerfahrnis von Bodo Kirchhoff. Der Umstand, dass man(n) im fortgeschrittenen Alter in einem melancholischen, sich selbst genügenden und dahinwehenden Einsamkeitsdasein plötzlich aus dem Nichts von einer fremden Frau und einer sich neu gestaltenden Herzensnähe überkommen wird, hat mich von Anfang bis zur letzten Zeile ganz bei sich gehalten – auch wenn es in einer sich entfaltenden Road-Story nur eine kurze Nähe ist und eine verstörende Zerbrechlichkeit von sich zu erfüllen scheinender Sehnsucht am Ende auftut. Gestört in der Geschichte hat mich nur, dass die Protagonisten sich eine Zigarette nach der anderen anstecken, selten, dass in der Literatur im Gegensatz zum Film einem solch stinkenden und ungesunden Utensil eine derartige Präsenz zugesprochen wird. Und ein wenig befremdlich erschien mir das fast zu konstruierte Einflechten der Flüchtlingsthematik. Trotzdem: für dieses Buch habe ich nicht wenige Lindentriebe eingesammelt.

Und dann wieder zurück zum Buch vom Süden. Eintauchen in die letzten hundert Seiten und in Hellers sehr bereichernde und ansprechend niedergeschriebene Gedankenwelt, und auch für diesen schönen Roman wehen einige Lindentriebe auf meinen Schreibtisch. Auf dem schon die nächsten Bücher warten:  Das wundersame Leben des Isidoro Raggiola von Enrico Ianniello und für’s leichte Zwischendurch der Abenteuerroman von Gerhard Henschel.


Leave a Reply