Stiller Ruf

In einer Zeit, in der ich lange und sehr um den Zusammenhalt des Daseins – so wie es in mir aufbegehrt – bemüht war, wurde das Hirnstromern sehr leise. Es hat sich in das Nest seiner Geburt zurückgezogen, sich zum Schutz vor dem Weltenwüten die noch herumliegenden Federn über seine minimierte Gestalt gelegt und sich in einen Vieljahresschlaf begeben. Nun ist es mir, dass es sich wieder zu regen beginnt, an manchen Stellen häutet es sich zusehends, so wie es in diesen Tagen all die Platanen tun: sie werfen ihre Rinde ab um Platz zu schaffen für den sich weitenden Stamm.

Eine Rostgans schaut mich durchs Fenster an, sie ist wunderschön, ich weiß nicht, wie sie hierherkam und von wo, auf den Tisch auf meinem Balkon. Lange stehen wir so, unregsam, ich bin dabei, mich in sie zu verlieben. Dann, nach einer betörenden Weile, ist es genug für sie, sie dreht sich, breitet die Flügel und zeigt mir ihre ganze Schönheit: die schwarzschillernden äußeren Fahnen, vorn ein prahlendes Weiß auf den Flügeln, das nach hinten in ein metallisch grünes Strahlen übergeht. Ein kurzer, geschmeidiger Abdruck und dann gleitet sie über das Geländer in die Ebene hinab. Mit einem stillen Ruf des Verbundenseins begleite ich ihren Flug den Fluß entlang bis hinauf in die hohen schwarzen Wälder.


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