Schlafen werden wir später

Nachdem ich vor 2,3 Wochen das ganz und gar hervorragende neue Buch von Arno Geiger Unter der Drachenwand zu Ende gelesen habe, lag da noch unberührt Zsuzsa Bánks Schlafen werden wir später auf dem Büchertisch.
Am einem Abend ein erstes Blättern, freudig gespannt, da ich doch seit ihrem Erstling Der Schwimmer aus dem Jahre 2002 von der ihr eigenen oft traurigschön poetischen Sprachbildung angetan bin. Doch nach den ersten Seiten schon wurde ich unruhig: will ich mir (als Mann) diesen ewiglich (wenn man die fast 700 Seiten betrachtet) jammernden und manchmal pathetisch anmutenden Gedankenaustausch zweier Freundinnen antun, möchte ich teilhaben an dem über den Alltag (ob alleinstehend nach Trennung und überstandener Krankheit oder in Familie mit drei, das eigene Leben verändernden Kindern) oft so klagenden, herzergießenden Ton – wenngleich dieser auch in eine sehr schöne, aus der Zeit gefallen zu scheinenden Sprache gefasst ist?!
Aber mit zunehmendem Lesen nun verflüchtigt sich dieser Argwohn – nicht nur weil ich als Vater vierer wunderbarer Töchter und nun alleinerziehend und als Mann mit auch viel Frau in mir ausgestattet nachempfinden kann, sondern weil auch die Herzensnähe der beiden Frauen, die sie sich aus der Alltagszeit herausrauben, um sie zu pflegen, um sich zu pflegen, weil diese Nähe fast ein wenig sehnsüchtig werden lässt. Dieses liebende Schreiben in seiner Bewusstheit und im literarisch anspruchsvollen Atemschöpfen trägt diese beiden Frauen und hält sie und den Leser gleich mit. Und immer wieder, wenn man die schnell wechselnden Data liest, erinnert man sich daran, dass hier E-Mails hin und her geschickt werden und nicht Briefe, die Frauen sich einander im 18. Jahrhundert per Pferdekurier zugesandt haben.
Nun lese ich nur einige wenige Einträge am Abend bevor das Licht gelöscht wird, so werde ich nicht doch genötigt, über das manchmal sich allzu sammelnde Herzergießen zu stöhnen, bleibe gern dabei, auch wenn wenig geschieht und doch so viel, begleite Johanna in den Tiefen des Schwarzwalds und Márta im Treiben von Frankfurt…
Und so bin ich fast unbemerkt schon auf Seite 200 angekommen.


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