Marten’t Haart

Das Wüten der ganzen Welt
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»Wenn es einen nassen Kuß gibt, muß es auch einen trockenen Kuß geben«, sagte ich.
»Ja, man kann auch trockener Kuß sagen. Sie gaben sich einen trockenen Kuß, ja, das kann man sagen… aber siehst du jetzt, daß du wieder damit anfängst… die ganze Zeit redest du nur vom Küssen… Würdest du mich… meinst du, daß du mich, wenn ich nicht verlobt wäre, daß du mich dann küssen würdest?«
»Ich würde gern wissen wollen, ob es schön ist, dieses Küssen, ich kann es fast nicht glauben, es kommt mir eigentlich ziemlich klebrig und ekelhaft vor.«
»Ekelhaft ist es nun überhaupt nicht!«
»Also, ich glaube nicht, daß ich es schön fände.«
»O doch, bestimmt, oh, ich wollte, daß Herman hier wäre, dann würden wir uns küssen, bis uns die Lippen weh täten.«
»Wenn zwei Menschen ihre Stirnen aneinanderlegen oder ihre Nasen oder ihre Zeigefinger, dann gibt es dafür kein Wort, aber wenn sie ihre Lippen aufeinanderlegen, sehr wohl. Irgendwie merkwürdig, findest du nicht? Lippen aufeinander: Das nennen sie einen Kuß. Als wäre es etwas. Aber Stirnen aneinander, dafür gibt es kein Wort, das ist also nichts. Ich finde es merkwürdig. «
»Überhaupt nicht merkwürdig, wenn du küssen würdest, dann wüßtest du das… Ich würde es dir gern ein bißchen beibringen, aber wenn man verlobt ist, darf man sich nicht mit einem andern küssen.«
»Nee, das darf man nicht«, sagte ich.
»Darf man nicht«, seufzte sie. Sie stand auf, sie nieste ein paarmal, schimpfte dann: » Ich erkälte mich noch.« Sie lief zu unseren Fahrrädern und sagte: »Laß uns nach Hause fahren, es ist schon so spät.«