Marlen Haushofer

Die Wand
119f

Am Abend, als ich vom Haus zum Stall ging, hatte sich der Himmel bezogen, und es schien mir wärmer geworden zu sein. In der Nacht schlief ich trotz meiner Müdigkeit sehr schlecht, aber es störte mich nicht. Ich lag ganz zufrieden, lang ausgestreckt, und wartete. Einmal kam mir der Gedanke, daß es doch eine große Verschwendung sei, überhaupt zu schlafen. Gegen Morgen kam die Katze heim, schmiegte sich in meine Kniekehlen und fing an zu schnurren. Es war behaglich und warm, und ich brauchte keinen Schlaf. Aber schließlich mußte ich doch eingeschlafen sein, denn als ich erwachte, war es spät, und Luchs verlangte stürmisch ins Freie. Es regnete, und nach der langen Trockenheit war ich ganz zufrieden damit. Der Bach hatte fast kein Wasser mehr geführt, und die Forellen waren in großer Not. Der Regen hing als grauer Schleier über dem Wald und verdichtete sich höher oben zu Nebel. Es war wärmer als an den schönen Tagen, aber alles glänzte vor Nässe. Ich wußte, dieser Regen bedeutete das Ende der Herbstes. Er leitete den Winter ein, die lange Zeit, vor der ich Angst hatte. Ich ging langsam ins Haus zurück, um einzuheizen.