Wolfgang Schölmel

Ohne Maria

Es gab mich nur in Sekunden, etwa dann, wenn ich eine lange, anstrengende Wanderung für einen Schlaf im Sonnenlicht unterbrach, wenn ich aus diesem Schlaf erwachte und nur die Insekten in meiner Nähe hörte, wenn ich dann die Augen öffnete und das Grün der Pflanzen und die Weite der Landschaft regelrecht in mich einströmten. In diesen Sekunden hatte ich das Gefühl, das Alleinsein vollendet und mein Innerstes erreicht zu haben. Wenn es eine Ruhe gab für mich, ein Pause im rastlosen Getriebensein – und von mir aus kann man diese Pause auch „Schönheit“ nennen oder „Gott“ oder sonst wie – dann war es gewiss ein solcher Moment. Und er hatte den Vorteil, dass ich, um ihn zu erreichen, nicht die Hilfe eines anderen bedurfte und nicht der leidenschaftlichen und erfolgreichen Verliebtheit. In diesem selben Moment tauchte allerdings der Wunsch auf, die Situation mit jemanden zu teilen, mit dem ich in symbiotischer Liebesverbundenheit lebte. Aber dieser Jemand hätte in Wirklichkeit eine Abteilung von mir selbst sein müssen, sonst wäre nämlich die Vollendung gar nicht erst entstanden.