Mai 13 2014

„Bildungsroman“ von Gerhard Henschel

Nachdem ich anschließend an Kindheitsroman und Jugendroman Martin Schlossers Werdegang in Henschels Büchern Liebesroman und Abenteuerroman ausgelassen hatte, wollte ich doch nun wissen, wie es ihm in seiner Studentenzeit erging. War ich nach den ersten beiden Bänden etwas ermüdet von der lakonischen Aneinanderreihung von Zeitgeistbildern, die wohlig identifikationsstiftend zwar Spaß machen, aber nicht wirklich (m)einem literarischen Anspruch an das packende Hineinsacken in die Gefilde eines Romans gerecht werden, habe ich wiederum Bildungsroman, den neuesten Teil der Saga, in kurzer Zeit mit viel Freude gelesen (und deswegen gibt es auch sieben Lindentriebe). Mit dem Erwachsenwerden des Protagonisten und dessen geistiger Reifung wächst auch die Konsistenz (= Beschaffenheit, Zusammenhalt, Geschlossenheit, Stimmigkeit) in Henschels Schreiben. Es huschen nicht nur getriggerte Erinnerungsfetzen vorüber, es entsteht mehr ein Sog, in dem man durchgängig miterleben will, was einst selbst schon gelebt, und man wissen will, wie Martins Dasein sich entwickeln wird.
Hier einige ansprechende Zeilen über Henschels Roman auf Spiegel Online.


Jan 25 2014

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Kurz vorneweg: die Gedanken hier im Blog über gelesene Bücher sind nur kurz und oberflächlich gehalten, ausführlichere Betrachtungen zu manch einem Roman sind bei den Rezensionen zu finden.

Zu Haruki Murakamis neuem Werk Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki :
Nach dem für mich unguten Ausrutscher seines letzten Buches 1Q84, das auf mich wie eine ausufernde, beliebige und allzu konstruierte Fantasystory wirkte, die nur wenig von den anmutig eigen(artig)en Welten des eigentlichen Schreibgeistes Murakamis zu tun hatte, hat Murakami mich mit
 seinem neuen Roman wieder für sich gewonnen: die Faszination der geheimnisvollen Tiefe und der Besonderheit seines eigentlich kargen, hin und wieder fast wortarmen Stils gestalten eine Story, die mich nahezu in einem Atemzug von Anfang bis Ende bei sich behält und die in diesem Roman wieder den typischen murakamischen Sog entwickelt.
Ursula Gräfe, die Übersetzerin von Murakamis Werken, beschreibt in einem Interview: Ganz typisch für die japanische Literatur ist Murakamis sensationelles Vorgehen, die Alltagswelt, langsam verstreichende Augenblicke wie einen Sonntagnachmittag im Sommer in fantastische, surreale Gegenwelten und Innenwelten zu überdehnen. Diese grotesken Welten werden anders als in westlichen Romanen nie aufgelöst oder integriert.
Der Held klinkt sich in den Büchern von Haruki Murakami aus den gesellschaftlichen Funktionsmechanismen aus und findet auch am Ende nicht zurück. Das Vakuum, in dem er sich befindet, wird nicht gefüllt. Diese Außenseiterhelden, die es einfach nicht schaffen, muten sehr modern an. Sie sind aber in japanischen Romanen schon seit hundert Jahren ein gängiges Muster.
Beim Lesen denke ich jedoch auch hin und wieder: selbst wenn die Geschichte mich nah bei sich hat, es fehlt doch ein wenig der Esprit früherer Romane – man denkt als geübter Murakamileser, das eine oder andere schon einmal bei ihm gelesen zu haben, und allzu leicht ziehen die Zeilen vorüber; vielleicht aber ist es auch die schon sanfte Altersweisheit, die leiser, ruhiger werden lässt, entspannter. Oder aber es tut sich eine Tendenz zur kreativen Müdigkeit auf und es täte Not, mal eine längere Schaffenspause einzulegen.
Trotz dieser Gedanken hatte ich aber Freude über ein wieder gelungeneres Buch von Murakami und einige intensive Lesestunden inmitten seiner nur ihm eigenen Schreibwelt.

 

 


Jan 15 2014

Gerade zugeklappt:

Die Ordnung der Sterne über Como
Monika Zeiner

Zeiner schreibt mit einer klaren, unaufdringlichen Sprache, die hin und wieder ins Malen gerät, poetisch oder in vordergründig philosophischen Gedankenzügen, aber meist ist sie nur wie sie ist, weil diese Geschichte so und nicht anders erzählt werden möchte. Nach anfänglicher Skepsis, ob nicht zu einfach, zu profan, war ich doch bald eingetaucht in die Handlung, die sich in einer Mischung aus Beschwingtheit und Melancholie zu einem gut nachvollziehbaren Geflecht aus Hin-, Her- und Rückblenden um Musik, Beziehungen und Liebe rankt, und ich wurde doch von der authentisch gestalteten Sprache bis zum Ende getragen. Auch wenn ich zunehmend empfand, dass die philosophischen Metaphern, die die Protagonisten immer wieder durchziehen, dann doch zu häufig sich auf die Seiten verirren, habe ich den Roman gerne gelesen. Ob er einer Deutschen Buchpreisnominierung würdig ist, vermag ich nicht zu sagen, aber er ist mir allemal symphathischer und näher gekommen, als der schwermütig, sperrige Roman von Terézia Mora.


Dez 16 2013

3 Bücher gelesen …

… in den letzten Wochen (und mit Lindentrieben versehen):

Mit Vogelweide steht nun ein neues im Timmregal, Das Ungeheuer von Terézia Mora lehnt sich an Alle Tage und eine Entdeckung, geschrieben im Jahr 2006, liegt im Highlightstapel oben auf: Der fliegende Berg von Christoph Ransmayr.

Timm hat bei mir den Bonus des Lieblingsautors, vielleicht fehlt mir dadurch manches Mal die detailliert hinterfragende Kritikfähigkeit: Ja, auch dieses Buch von ihm gefällt mir sehr gut: In der Sprache nie pathetisch, immer präzise, mit reichhaltiger Kompetenz komponiert, eher wie gehabt distanziert betrachtend und doch ist es ein Roman, in der mir trotz aller gegenwärtigen Gesellschaftsschau die Feder näher an den durchdringenden, begehrlichen Gefühlen erscheint, sentimentaler im Grundton als in vielen seiner Bücher zuvor. Ich finde mich schnell ein in die Handlung und fühle mich fast heimisch im Rückzug seines Protagonisten auf eine unbewohnte Insel in der Elbmündung, auf der ihm vergangene Menschen erscheinen, vergangene Erschütterungen und die Vögel, die im Jetzt eine reflektierende, meditative Schau des Geschehenen durch ihr bloßes Dasein mitgestalten.

Nicht leicht tue ich mich mit dem Ungeheuer von Mora. Vielleicht, weil ich tagtäglich im Beruf mit diesen Leiden zu tun habe: Hineingesogen in eine Welt des depressivpsychotischen Erlebens und der auf dem Weg der Trauer stets schwer beladenen Suche nach dem Leben eines verlorenen Menschens und einem Ort für dessen Asche, stoße ich an meine Grenzen der Leselust auf den ausufernden Pfaden durch mir fremde Länder. Während mancher Passagen denke ich: brillant, eigen und wortmächtig, fast poetisch lebensnahe Klänge (ich erinnere mich an den Roman Alle Tage von Mora, dessen kraftvolle Sprache mich auch zu Beginn eingenommen und mich dann doch verloren hatte), dann aber wieder überblättere ich, sehne mich nach einem lichten, leichteren Moment, den ich bis zum Ende nicht finde und bin froh, dass ich dort angelangt bin und zum nächsten Buch greifen kann:

Auch dort  ist der Tod ein durchdringendes Faktum, der stets begleitet. Doch in den schneevollen Höhen Osttibets bin ich mehr zu Hause als auf den osteuropäischen Pfaden Moras, schon immer hat mich das mystisch-spirituelle Dasein des tibetischen Volkes bewegt und begleitet. Wenn ich hin und wieder dem reinkarnistischen Gedanken zugewandt bin, denke ich, dort im Tibetischen, lange vor dem chinesischen Einmarsch, könnte eine mögliche Heimat gewesen sein, in den Klöstern, in den Dörfern oder unter den Nomaden. Es zieht mich an, wenn ich von dort Bilder sehe und davon lese, und zugleich schreckt es mich: diese stille, schroffe, hochgelegene, oft in der eigenen Welt des Schnees und der Kälte verborgenen Weite die zugleich auch von bedrohlichen Nebeln durchzogene Enge sein kann.
Ransmayr  ist einer feinen philosophisch-poetischen Art und Weise des Schreibens mächtig, die in diesem Buch Gefahr läuft, an manchen Stellen dem Pathos eines Versepos zu verfallen, (auch stören hin und wieder die Verbalien einer modernen Internetwelt in diesen poetischen Beschreibungen von innerem und äußerem Land), die einem aber auch immer wieder die Sprache verschlägt, weil nur Bilder aus den Buchstaben aufsteigen. Noch nie habe ich bei einem Roman die letzten Zeilen gelesen und dann gleich wieder die erste Seite aufgeschlagen, um noch einmal das erste, nun sehr nahe Kapitel an mir vorüberziehen zu lassen. Und selten nach dem Lesen eines Buches trug ich in den Wochen danach dessen Bilder in mir; jene aus Der fliegende Berg blitzen noch immer auf ab und an.
Ludger Lütkehaus in DIE ZEIT bespricht dieses wunderbare Buch nach dessen Herausgabe, ein Ausschnitt daraus:  … Aber Ransmayrs Fliegender Berg erinnert auch daran, dass gerade große Literatur öfters dort entsteht, wo die Kitschgrenze nur haarscharf vermieden wird. Im Übrigen ist der Realismus von »Scheißhimmelsgipfeln« und die Vergegenwärtigung einer »Bangigkeit«, die die Bergsteigerliteratur sonst als »Angst« missversteht, präzise genug, um sowohl den Abgründen der Alpinliteratur wie den Untiefen unerbetener Erleuchtung zu entgehen. Selten hat man die tödliche Schönheit der schwarzen Himmel, der astronomisch durchbuchstabierten Sternbilder mit ihren kosmischen Katastrophen über den Windfahnen fliegender Berge so suggestiv wie im epischen Flattersatz dieses Romans gesehen. Für eine extreme Welt findet Ransmayr eine so noch nicht gehörte Sprache, seinen Sprachgesang: eine Ausnahmeerscheinung in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Es lohnt sich, den Roman zweimal und dann laut zu lesen. Wer sich nicht durch seine Form befremden lässt, legt ihn erst nach dem versöhnlichen Epilog wieder aus der Hand, um unverzüglich zum Anfang, zum Tod, der für den Erzähler keiner war, zurückzukehren.

 


Sep 8 2013

Sonntagmorgen nach einer Gewitternacht

Links sind etwas für Denk- und Formulierfaule. Egal. Heut ist Sonntagmorgen, ein heftiges Nachtgewitter hat das Ende des Sommers eingeleitet. Und ich bin faul. Verlinke schon wieder. Dieses Mal auf ein paar kurze, schon gedachte Gedanken von Khue Pham zum TV-Wahlkampf. Denn, obwohl über 40 und keine Frau: so habe ich auch gedacht, als ich diesen Männern und der Kanzlerin zuzuhören versuchte. So und natürlich auch anders, und vieles mehr. Aber es ist ja Sonntagmorgen nach einer Gewitternacht…


Aug 31 2013

Uwe Kossack über Martin Walsers neuen Roman

Gestern nachmittag genoß ich SWR2 hörend im Auto eine bereichernd eloquente Betrachtung von Uwe Cossack über Martin Walsers neuen Roman „Die Inszenierung“. Reinhören!


Okt 24 2012

Frisch und Henschel

Einige Gedanken zu den Büchern
Antwort aus der Stille von Max Frisch
und
Kindheitsroman von Gerhard Henschel 

 


Jul 2 2012

Fünf Bücher

Welche fünf Bücher bedeuten mir so viel, dass ich sie nicht mehr hergeben würde?
Voilà: hier sind sie…

(abgesehen davon, dass ich noch viel mehr Bücher nicht mehr hergeben würde – ich trenne mich nicht leichtfertig von gelesenen Büchern)


Mai 20 2012

Freitisch und Suna

Zwei neue Rezensionen zu
Freitisch von Uwe Timm
und
Suna von Pia Ziefle


Mai 16 2012

Vogelnähe

Es ist sehr schön, diese nahen Vögel hier bei uns zu haben. Die Meisen, Schwalben, Stare, Spechte, Elstern…

Wie war das eigentlich mit den Vögeln, als ich in den Städten lebte, über vierzig Jahre lang? Wenn ich weit zurückdenke, in meine Kindheit und Jugend, kommen mir zuerst die unzähligen Spatzen in den Sinn, die in regen, flinken Grüppchen die Bäume und Büsche unserer Straßen beherbergten, einer sah aus wie der andere. Hin und wieder streuten wir Brotkrumen hinab und freuten uns an den zwitscherreichen Pickvollführungen.
Dann war da Pipping. Der zahmste Wellensittich weit und breit – sein Käfig stand immer offen. Er kam uns Kindern durch die Wohnung entgegengeflogen, wenn wir aus der Schule kamen, saß beim Essen mal neben diesem Teller mal neben jenem und knabberte, was er eben abbekam. Abends lag er wohlig auf der Bettdecke meiner Schwester und kuschelte sich mit ihr darunter, wenn ihm danach war, bis er schließlich doch zu seinem Käfig den Nachtgang antrat (den Nachtflug anschwebte?) Hin und wieder saß er mit uns auf dem Balkon, ohne großes Interesse an der weiten Welt zu bekunden. Ich erinnere mich an einen Traum: Pipping saß auf dem hohen Baum gegenüber des Balkons auf der anderen Straßenseite und war starr vor Angst. Keiner konnte ihn dazu bewegen, zurückzufliegen und keiner schaffte es, zu ihm empor zu klettern. Irgendwann nach Tagen fiel er erschöpft vom Baum und war tot. Im wirklichen Leben genoss er in vollen Zügen das Dasein in unserem Zuhause und erst nach einem Umzug wurde er in hohem Alter Opfer einer Nachbarkatze, er lag zerrupft in unserem Garten. Entweder war er nach draußen geflogen oder die Katze kam herein, wir haben es nie in Erfahrung gebracht.

Später, mit zunehmender Bewusstheit waren die wunderbaren Stimmen der Amseln der Trigger für Wohlfühlmomente: in der Frühe, bevor die Stadt in ihre treibenden Gänge kam, und vor allem an den ersten warmen und längeren Abenden nach unwirtlichen Wintern.
Und dann dieses Warten und Staunen hoch über der Stadt auf die Krähen-schwärme: die ersten Kundschafter flogen aus der Rheinebene hinter dem Schönberg hervor und kaum später: der in den Himmel hinein inszenierte, für diesen schwebenden Augenblick wundervoll stille Geniestreich der Natur…
Und natürlich die Tauben. Auszug aus „Wolkenbruch“:
Vater hasste Tauben, diese Viecher sind doch keine Tiere mehr, rief er dann immer, sie sind schon wie die Menschen, laufen zwischen ihren Füßen herum, bleiben bei Rot an der Ampel stehen, und kommen sie von rechts aus irgendeiner Gasse angetippelt, musst du eine Vollbremsung mit dem Fahrrad machen, weil sie nicht erschreckt davon fliegen, nein, sie glauben sich im Recht, und während du über den Lenker auf den Asphalt knallst, laufen sie mit hochgerecktem Schnabel und Blick in eine andere Richtung an dir vorüber, picken weiter, als wäre nichts gewesen.

In der Stadt war das Erleben eines Vogels meist von Distanz getragen (Pipping war die Ausnahme, doch im Grunde war er nicht wirklich ein Vogel), aus der Ferne beobachtend, beiläufig, gedankenlos selbstverständlich und unachtsam nur im Unterbewusstsein wahrnehmend, oder es war ein manchmal ausgepacktes Instrument, um ein kurzes Wohlbefinden zu empfinden in dem Glauben, man nähme in jenem Augenblick Verbindung mit der Natur auf.

Und jetzt, in diesem anderen Leben, hier auf dem Land, in den nun endlich grüngewordenen, kleinen Tälern zwischen den schwarzen Wäldern, jetzt sind uns die Vögel nah, so nah, als wären sie Teil der Familie, oder, aus einer weniger menschenzentralistischen Sichtweise: als wären wir Teil der Familie
– der Meisen, die jeden Morgen hinterm Schlafzimmerfenster ihre Kunststücke an den Maiskugeln vollführen: wenn wir uns aus den Betten blättern und sie nah am Fenster begrüßen, dann bleiben sie, blicken uns an und frühstücken weiter. Im Schauen besonders eingenommen sind wir von den jungen Meisen – für solche Geschöpfe müssen die literarischen Unwörter erfunden worden sein: süß, niedlich, goldig.
– der Schwalben, die uns in der Stadt nur im Hoch- oder Tiefflug als Wetterbericht dienten: jetzt sitzen sie über unseren Köpfen im Stall und schauen uns fragend an: ob das wohl ein guter Platz ist zum Nisten? Klar, sag ich, macht ruhig, wenn ihr was braucht, sagt Bescheid. Und danach das Nestbauschweben durch den Stall, hinaus, hinein, ein schöner Klang, und manchmal sitzt das Päarchen draußen auf dem Zaun, Verschnaufpause, ich trete näher, und ein warmes Pulsieren breitet sich in mir aus: sie bleiben sitzen. Und ich freue mich darauf, wenn sie uns ihren piepsenden Nachwuchs vorstellen, und auf dessen erste Flugstunden. In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, denke ich jedes Mal, und wir schützen diesen Zauber, auch wenn unsere Katzen sich ihrer Beute beraubt fühlen.
– der Stare, deren sich sammelnden Massen am Rande der Städte ich nur als lebende Kunstinstallationen am Himmel in Erinnerung habe: hier nisten sie unter den tief fallenden Dächern und ihr Singen begrüßt uns, wenn wir in die Scheune kommen, um Heu in den Stall zu werfen. Und lustvoll fliegen sie schnell und behend unter den Dächern hervor und breiten zum Putz ihr schönes Gefieder aus in den Ästen der hohen Linde, erst hier habe ich deren schöne Zeichnungen zum ersten Mal bewusst gesehen.
– der Elstern, die meist in einer pubertären Gang zu siebt oder acht hier auftreten: randalieren immer vor dem Küchenfenster, machen sich dort auf dem Katzenbrett über das Katzenfutter her und verteilen die Schalen und Teller hinterm Haus; hin und wieder sitzen sie auf den nachsichtigen Eseln und rupfen das Fell zu unvorteilhaften Frisuren. Wenn wir sie deswegen rügen, ernten wir nur schäckerndes Gelächter. Dann rotten sie sich auf den Weiden oder in den Bäumen zusammen, und man kann davon ausgehen, dass sie wieder was im Schilde führen.
Und dann sind da noch die Eichelhäher, die hin und wieder in unregelmäßigen Abständen uns besuchen und vor dem Fenster auf ein paar Häppchen warten, im Baum mit doch vorsichtigerem Abstand begutachtet Herr Specht das ganze Treiben, manches Mal watschelt das Entenpaar vom weiter unten gelegenen Dorfteich am Bach entlang zu uns, selten verirren sich ein paar abenteuer-lustige Reiher auf den Feldern und über allem fliegen die Falken, Milane und Bussarde, mit denen ich gerne am Abend nach verbrachtem Tag kreisen und einen weiten Blick auf die Dinge bekommen würde.

Ja, es ist sehr schön, nah bei diesen Vögeln zu sein…