Lindentriebe für Gelesenes

Jetzt, da ich dies schreibe, beginnt, wenn auch nur zaghaft, unsere hohe, im Sommer schattenspendende Linde auszutreiben. Drum bekommen die hier ohne Rezension nur mit Klappentext aufgeführten Bücher nicht die üblichen Sterne, sondern bewertende Lindentriebe zugesprochen. Nur ein Trieb ist zwar während des Betrachtens wunderschön, aber für den Inhalt eines gelesenen Buches ist er nicht erstrebenswert; dann doch lieber sieben, acht oder gar zehn Triebe, die sich anerkennend wiegen im Wind oder fast platzen vor Begeisterung. Also Bücher: strengt euch an!

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Widerfahrnis

Bodo Kirchhoff
gelesen im Januar 2017

8 Lindentriebe

widerfahrnis

Bodo Kirchhoff erzählt in seiner Novelle Widerfahrnis die Parabel von einem doppelten Sturz: in die Liebe, ohne ausreichend lieben zu können, und in das Mitmenschliche, ohne ausreichend gut zu sein. „Aber wo wären wir ohne etwas Selbstüberschätzung“, sagt der Protagonist Reither, um sich Mut zu machen für den ersten Kuss mit Leonie Palm, „jeder wäre nur in seinem Gehäuse, ein Flüchtling vor dem Leben.“

Eines der schönsten Bücher des Herbstes: Bodo Kirchhoffs meisterhaft komponierte Novelle Widerfahrnis, ein poetologisches Kunststück.
Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Reise ins Herz der Gegenwart … Bodo Kirchhoff ist eine Meistererzähler; sein Widerfahrnis trifft uns alle.
Richard Kämmerlings, Die Literarische Welt

Über Liebe und Trauer zu schreiben, ist eine Kunst … Es ist überwältigend, wie Kirchhoff uns auf wenigen Seiten das wirkliche Leben vorführt.
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

 

 

Das Buch vom Süden

André Heller
gelesen im Januar 2017

8 Lindentriebe

Ein ‚fleißiger Taugenichts‘ ist der knapp nach dem Zweiten Weltkrieg in Wien geborene Julian Passauer. Im Dachgeschoss von Schloss Schönbrunn wächst der Sohn des stellvertretenden Direktors des Naturhistorischen Museums auf, umgeben vom Teehändler und ‚Hauswüstling‘ Hugo Cartor, dem philosophierenden ‚Warzenkönig‘ Grabowiak oder dem ehemaligen Weltklasseschwimmer Graf Eltz, einem begnadeten Geschichtenerzähler. Vaters lebenslange Sehnsucht nach dem Süden setzt sich in Julian fort. Auf einer ausgedehnten Schiffsreise umrundet Julian Afrika, er beginnt ein Studium, bricht es ab und wird schließlich professioneller Pokerspieler. Erst in der Villa Piazzoli am Gardasee scheint er zur Ruhe zu kommen und begegnet den Frauen seines Lebens. Und doch zieht es ihn wieder weiter – nach Süden.

Ein modernes Buch. Ein Buch so klug, witzig, phantasievoll wie André Heller. … So etwas habe ich lange nicht gesehen. … Er hat eine schöne, erzählende, sehr ausufernde Sprache … und eine Fülle unglaublich interessanter Figuren in diesem Buch. … In diesem Buch wachsen Geist, Kopf und Seele auf so wunderbare Weise zusammen, wie es nur ganz selten passiert. … Bei allem altmodischen Phantasieren, Erzählen und in andere geistige Welten Abtauchen, ist es auch ein höchst modernes und aktuelles, heutiges Buch.“
Elke Heidenreich, Lit.Cologne, WDR 5

Ein grandioser Entwicklungsroman. … Ein Buch so warm, dass man beim Lesen aufpassen muss, sich keinen Sonnenbrand zu holen. Eine Revolution gegen die Schwermut und ein Buch voller Weisheit und Trost.
Denis Scheck, ARD Druckfrisch

Von der Ambivalenz, dass der Süden nicht nur Ziel, sondern immer auch Weg ist, lebt André Hellers unterhaltsamer Debütroman. … ‚Das Buch vom Süden‘ ist mit all seinen kalkulierten Parallelen zur Welt des Autors ein typischer Heller, ein Zwischenwesen, ein Fabeltier, und seine Fans werden es lieben: verschwebt, verspielt, wortgewaltig, humorvoll und emotional.
Cathrin Kahlweit, Süddeutsche Zeitung