Gelesenes 2014

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Wir haben Raketen geangelt

Karen Köhler
gelesen im Oktober 2014

Wir haben Raketen geangelt

Es gibt diesen Moment, in dem das eigene Universum zerbricht und weit und breit kein neues in Sicht ist. Über diesen Moment schreibt Karen Köhler. Ihre Figuren stellen sich mit Phantasie dem Leben entgegen, sei es an Bord eines Kreuzfahrtschiffes namens „DeinSchiff“, in der kalifornischen Wüste oder in der sibirischen Wildnis: Kapitulieren kommt nicht in Frage.

Reden wir nicht darum herum: Da ist Meisterschaft am Werk.
Die Zeit

Hinreißend
Sandra Kegel in der F.A.Z.

Wollt ihr Geschichten, die euch wärmen in kalten, kalten Nächten? Wollt ihr noch mal Indianer sein? Wollt ihr Raketen? Ja, hier! Hier! Hier!
Sasa Stanisic

 

 

Bilder deiner großen Liebe

Wolfgang Herrndorf
gelesen im Oktober 2014

Bilder deiner großen Liebe

„Die Wärme des Tages ist im Gras. Ich liege auf dem Rücken. Weiß umrandete Wolken ziehen vor dem Mond vorbei. Ich stelle mir vor, jemand sieht mich von oben, aber niemand sieht mich. Dabei liege ich so malerisch. Das glaube ich, und ich fühle mich so wohl und so tot und wie ein aufgestauter Fluss, über den in der Nacht immer wieder einmal der Wind geht.“

Die Geschichte der verrückten, hellsichtigen Isa – Wolfgang Herrndorfs unvollendeter letzter Roman

 

 

Tschick

Wolfgang Herrndorf
gelesen im Oktober 2014

Tschick

Zwei Jungs. Ein geknackter Lada. Eine Reise voller Umwege durch ein unbekanntes Deutschland
Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschik, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine unvergessliche Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz.

Auch in fünfzig Jahren wird dies noch ein Roman sein, den wir lesen wollen. Aber besser, man fängt gleich damit an.
Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

 

Der unsichtbare Apfel

Robert Gwisdek
gelesen im September 2014

4 Lindentriebe

Der unsichtbare Apfel

Igor ist ein merkwürdiges Kind. Er berührt Dinge, um sie zu verstehen, malt Kreise auf Hauswände und sortiert Schachteln in Schachteln ein. Während er älter wird, übt er das Schmelzen, entdeckt das Nichts und bezweifelt die Endlichkeit. Er verliebt sich und trägt eine Last, die zu schwer ist, er trifft auf den Tod und versucht schließlich, hundert Tage ohne Licht und Geräusche zu verbringen. Seine Reise führt ihn an die Grenzen der Vernunft und verändert seine Wahrnehmung der Welt für immer. Robert Gwisdek schreibt in seinem Debütroman mit einer solchen Sprachmacht und Fantasie über Wahrheit, Wahnsinn und Liebe, dass man das Leben danach mit anderen Augen sieht.

 

 

Ein ganzes Leben

Robert Seethaler
gelesen im August 2014

Ein ganzes Leben

Robert Seethaler erzählt von dem Seilbahnarbeiter Andreas Egger, dem Unglück und Glück widerfährt, über den die Zeit hinweggeht und der am Ende versöhnt und staunend auf die Jahre blickt, die hinter ihm liegen. Es ist eine einfache und tief bewegende Geschichte. Die Geschichte eines ganzen Lebens.

Diese unerklärliche Leichtigkeit des Schreibens ist so wohltuend.
Andreas Platthaus, F.A.Z.

Wer etwas für seine Seele tun will, lese unbedingt dieses Buch
Christine Westermann

 

 

Südlich der Grenze,

westlich der Sonne

Haruki Murakami
gelesen im Juli 2014

Südlich der Grenze, westlich der Sonne

Wie eine Halluzination taucht die Kindheitsgeliebte des Barbesitzers, Ehemanns und Vaters Hajime nach Jahrzehnten wieder auf, ungreifbar und geheimnisumwoben. Immer an regnerischen Abenden erscheint Shimamoto wie die verführerische Andeutung eines wilderen Lebens und hebt seine Welt aus den Angeln. Begleitet von zwei Jazz-Balladen, die sich durch diese Lebensgeschichte ziehen, erzählt Haruki Murakami in hypnotischer Sprache vom unwiderstehlichen Sog der Gefühle.
Murakamis Durchbruchsroman wurde unter dem Titel Gefährliche Geliebte zum Skandal. Er schildert den Einbruch dämonischer Kräfte in ein Leben – und scheut dabei keine Tabus.

Eine große, schöne Liebesgeschichte
Elke Heidenreich

Haruki Murakami gelingt es, die Qualitäten von Stephen King, Franz Kafka und Thomas Pynchon unter einen Hut zu bringen. Er gehört zu den ganz großen Erzählern der Gegenwart.
Der Tagesspiegel

 

 

Die dritte Lüge

Agota Kristof
gelesen im Juni 2014

Die dritte Lüge

Agota Kristof schließt mit Die dritte Lüge ihre Trilogie ab. Lucas kehrt nach Jahrzehnten zurück in die Stadt seiner Kindheit. Er erinnert sich an die Jahre der Einsamkeit, getrennt von seinem Zwillingsbruder Claus, an den Krieg, an den gemeinsamen Unterschlupf bei der Großmutter Hexe. Nun sucht er seinen Bruder.

Die Originalität von Agota Kristof liegt nicht im Ausdruck. Die Aussagekraft geht von Szenen aus, die ganz unkompliziert sind, doch in der Konstellation mit anderen Szenen beunruhigend und faszinierend wirken.
Ruth Klüger

 

 

Der Beweis

Agota Kristof
gelesen im Juni 2014

Der Beweis

Agota Kristof erzählt zwingend
Frankfurter Rundschau

Wo Agota Kristofs Roman Das große Heft endet, beginnt dieses Buch: Die Zwillinge, jetzt Claus und Lucas genannt, trennen sich – der eine verschwindet über die Grenze. Lucas bleibt im Haus der Großmutter, im stalinistischen Niemandsland, gefangen in der Erinnerung an seinen Zwillingsbruder. Seine Versuche, Liebe zu finden, scheitern in trostloser Einsamkeit.

Agota Kristof erzählt von verweigerter politischer Anpassung, von einer Flucht nach innen und einer Flucht in den Westen. Sie erzählt aber auch und vor allem von der Unmöglichkeit, sich seiner Vergangenheit durch Flucht zu entziehen
Verena Auffermann

 

 

Das große Heft

Agota Kristof
gelesen im Mai 2014

Das große Heft

Die klare Linie des Schmerzes
Ergreifend und ungeschönt zeichnet Agota Kristof das tragische Schicksal zweier im Krieg heranwachsender Zwillingsbrüder, die in einer schlechten Welt auf erstaunlich mutige Weise ums Überleben kämpfen.

Agota Kristofs Romane beschreiben das Leiden, den Krieg, den Tod, beschreiben Verbrechen und sexuelle Perversionen, doch sie handeln ganz ausschließlich von der Liebe. Im reinsten, ja zartesten Sinn handeln sie von der Liebe.
Rainer Stephan, Süddeutsche Zeitung

 

 

Bildungsroman

Gerhard Henschel
gelesen im Mai 2014

Bildungsroman

Es ist ein ganz verblüffendes Projekt. Und es ist wie eine Droge: Wer einmal mit den Schlosser-Büchern angefangen hat, kommt nur schwer wieder davon los.
Ronald Meyer-Arlt, Hannoversche Allgemeine Zeitung

Auf jeden Fall lohnt es sich einmal mehr, in Gerhard Henschels Familienchronik einzutauchen – Historiker kommender Generationen werden das ohnehin tun.
Rainer Moritz, Neue Zürcher Zeitung

 

 

Die Pilgerjahre des

farblosen Herrn Tazaki

Haruki Murakami
gelesen im Januar 2014

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Tsukuru Tasaki blickt im Alter von 36 Jahren auf ein entgleistes Leben zurück. Freunde, Heimat, Liebe sind nur leere Worte für ihn. Seine Mitmenschen bleiben ihm fremd, allenfalls für Bahnhöfe und Züge bringt er ein vages Interesse auf. Als er Sara kennenlernt, öffnet er sich seit langem einer anderen Person. Die Geschichte, die Tsukuru ihr erzählt, ist die Geschichte eines Verstoßenen. Sie handelt von Geborgenheit und Grausamkeit, Vertrauen und Verrat. Sara ist erschüttert. Wenn ihre Liebe eine Chance haben soll, beschwört sie ihn, dann muss er sich auf eine Reise in seine Vergangenheit begeben. Und so macht er sich auf die Suche nach vier Farben in Gestalt von vier alten Freunden, die ihm einst eine tiefe Wunde zugefügt haben.
„Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ folgt einem einsamen Helden bei dem Versuch, sein verlorenes Leben zurückzuerobern. 

 

 

Die Ordnung der Sterne über

Como

Monika Zeiner
gelesen im Januar 2014

Frisch getrennt von seiner Frau, tourt der Pianist Tom Holler mit seiner Berliner Band durch Italien. In Neapel hofft er, seine große Liebe Betty Morgenthal wiederzutreffen und endlich zu begreifen, warum er seinen besten Freund verlieren musste. Seine Erinnerung weiß von verpasstem und verspieltem Glück. Aber nur wenn er zum Kern vordringt, zu jener Nacht in Como, als das Dreigestirn der Freunde auseinanderbrach, hat sein Leben – und vielleicht auch die Liebe – eine zweite Chance

Berlin und Italien, Schwermut und Leichtsinn, die lauten und die leisen Töne – dieser Roman ist voller Musik.

Es ist unerhört selten, dass eine Frau mit dieser Gerechtigkeit, jenseits aller Klischees, über einen Mann schreibt. Was für ein Roman!
Michael Kumpfmüller

Untergründig und scharfsinnig und im nächsten Moment sehr poetisch und heiter.
Rainer Merkel